Lautsystem

Jede Sprache verfügt über eine bestimmte Menge an Lauten, die kleinste Einheit, in die sich ein Wort zerlegen lässt. Die Laute müssen im Gehirn abgespeichert werden, damit wir sie in der Sprache korrekt verwenden können. Zu jedem Laut werden unterschiedliche und diverse Informationen abgespeichert, was es Kindern im Spracherwerb oft nicht so einfach macht. Es wird zum Beispiel abgespeichert, wie der Laut gebildet wird, d.h. welche Artikulationsorgane (z.B. Lippen, Zungenposition, Luftstrom, Stimme, etc.) beteiligt sind. Genauso wird aber auch vermerkt, an welcher Wortposition ein Laut oder mit welchen anderen Lauten in „Nachbarschaft“ dieser eher vorkommt.

Schwierigkeiten im Lauterwerb

Was es beim Lauterwerb so schwierig macht, ist die Tatsache, dass Laute nie isoliert präsentiert werden. Babys hören Laute immer nur in einer endlos langen Lautkette, nämlich: Wörtern, Sätzen oder gar Erzählungen. D.h. sie müssen aus einer langen Lautkette heraushören, welche einzelnen Laute ihre Sprache (die sie hören) ausmachen. Hinzu kommt, dass wir selbst gleiche Laute in unterschiedlichen Positionen anders aussprechen. Das /m/ in Mund wird anders gesprochen als in Milch. Das Faszinierende daran ist, dass Babys bereits im ersten Jahr Lautkontraste unterscheiden können. Im ersten halben Jahr des ersten Lebensjahres hören Babys alle Lautkontraste, auch die, die nicht zu ihrer Muttersprache gehören (z.B. rollendes vs. hinteres /r/). Erst im zweiten Halbjahr des ersten Lebensjahres reift bei Babys ein gewisser Lautfilter. Sie hören langsam nur noch die – für ihre Muttersprache – wichtigen Unterschiede (z.B. rollendes vs. hinteres /r/ wäre für das Deutsche nicht mehr relevant).

Welcher Laut kommt zuerst?

Auf der aktiven Seite geht es auch bereits sehr früh los. Zwischen der 6. und 12. Woche beginnen Babys mit dem ersten Lallen. In verschiedenen Lallphasen wird mit Lauten experimentiert. Grundsätzlich werden hier bereits alle Laute der Muttersprache verwendet. Beim Worterwerb allerdings, der ca. um den ersten Geburtstag herum einsetzt, wird zuerst nur ein eingeschränktes Lautrepertoire genutzt. Vokale und Konsonanten, die ganz vorne im Mundraum gebildet werden (/m/, /p/, /b/, /d/, /t/), werden früher verwendet. Die anderen Laute kommen sukzessive hinzu, wobei sich der vollständige und korrekte Lauterwerb bis ins Kindergartenalter zieht.

Die Tabelle im Titelbild zeigt den Lauterwerb bei deutschsprachigen Kindern (vgl. Fox 2016).

Anmerkungen zur Tabelle:
Die blau eingefärbten Kästchen beziehen sich auf die Tatsache, dass mind. 75% der Kinder in diesem Altersabschnitt diesen Laut korrekt erworben haben.
ch1 meint /ch/ nach Vokalen wie /e/, /i/, /ö/, /ü/
ch2 meint /ch/ nach Vokalen wie /a/, /o/, /u/
/s/ wird grundsätzlich früh erworben; oftmals allerdings fehlerhaft ausgesprochen, z.B. mit Zunge zwischen den Zähnen wie beim „Sigmatismus interdentalis“. Das beeinflusst jedoch nicht die Tatsache, dass im Deutschen ein Wort die Bedeutung behält, unabhängig ob es mit einem gelispelten /s/ oder einem korrekt gebildeten /s/ gesprochen wird. Gerade was das Lipseln angeht, tritt es zwischen 5 und 6 Jahren noch bei 35% der Kinder auf.

 

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