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Late Talker

Spricht dein Kind mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter, kann es ein Late Talker sein: welche Anzeichen es gibt und wann du nicht abwarten solltest.

Beiträge folgenVeröffentlicht am Aktualisiert am 10 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Late Talker sind Kinder, die mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter sprechen und noch keine Wörter kombinieren, ohne erkennbare körperliche oder geistige Ursache. Etwa ein Drittel holt bis zum dritten Geburtstag von selbst auf, ein Drittel zeigt leichtere Sprachschwächen, ein Drittel entwickelt eine Sprachentwicklungsstörung. Lass die Sprache spätestens bis zum 27. Lebensmonat von einer Fachperson für Sprache untersuchen.

Ein Late Talker ist ein Kind, das mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter spricht und noch keine Zwei-Wort-Sätze wie Papa Ball bildet. Eine solche verzögerte Sprachentwicklung haben ungefähr 15 von 100 Kindern.1

Der Begriff beschreibt, wo dein Kind mit zwei Jahren steht, nicht, wie sich seine Sprache weiterentwickelt. Ein Teil der Late Talker holt den Rückstand von selbst auf, ein anderer Teil braucht Unterstützung.2 Weil sich das mit zwei Jahren noch nicht sicher sagen lässt, lohnt sich jetzt ein genauer Blick statt Abwarten.

Video 13:27Die Merkmale eines Late TalkersBevor du weiterliest: Ich zeige dir, woran Fachleute einen Late Talker erkennen.
Vorschaubild zum Video: Die Merkmale eines Late Talkers

Was ist ein Late Talker?

Late Talker nennen Fachleute zweijährige Kinder, deren Wortschatz deutlich kleiner ist als bei Gleichaltrigen.2 Als Richtwert gilt: Mit 24 Monaten spricht ein Late Talker weniger als 50 Wörter und bildet noch keine Zweiwortäußerungen. Und das ist die unterste Messlatte, kein Normalwert. Übersetzt heißt Late Talker so viel wie spät Sprechende, und so genannt werden nur Kinder, bei denen keine körperliche oder geistige Beeinträchtigung erkennbar ist.3

Damit du einordnen kannst, was hier noch fehlt: Im zweiten Lebensjahr wächst der Wortschatz bei vielen Kindern sprunghaft, Fachleute nennen das Wortschatzspurt.2 Bald darauf kommen erste Wortkombinationen wie da Ball oder Tasche auf.2 Aus einzelnen Wörtern werden so die ersten kleinen Sätze, eine erstaunliche Leistung. Bei einem Late Talker lässt dieser Schub noch auf sich warten.

Fachlich spricht man bei Late Talkern von einer Sprachentwicklungsverzögerung, also von einem verspäteten Start.3 Von einer Sprachentwicklungsstörung sprechen Fachleute, wenn ein Kind nur noch wenig aufholt.3 Feststellen lässt sie sich erst vom dritten Geburtstag an.2 Wie Sprache sich vom ersten Plappern an entfaltet, zeigt dir der Überblick zur Sprachentwicklung.

Im Alltag zeigt sich ein Late Talker oft an diesen Anzeichen1:

  • Dein Kind spricht nur wenige Wörter, und neue kommen langsam dazu. Manchmal vergehen Wochen oder Monate bis zum nächsten Wort.
  • Statt Dinge zu benennen, zeigt es darauf oder nutzt Gesten und Geräusche.
  • Es spricht in einzelnen Wörtern und verbindet sie noch nicht zu kurzen Sätzen.
  • Manche Late Talker sprechen undeutlich und lassen Laute weg, etwa And statt Sand.
  • Es kann deinem Kind schwerfallen, Dinge unter einem Oberbegriff zusammenzufassen, etwa Apfel, Banane und Erdbeere als Obst.

So kann das aussehen: Mila ist gerade zwei geworden. Im Park zeigt sie auf einen Hund, ruft Da! und schaut ihren Papa strahlend an. Sagt er Komm, wir holen deine Schaufel, läuft sie los und bringt sie.

Mila versteht also viel, nur die Wörter lassen auf sich warten. Genau dieses Verstehen ist ein wichtiger Teil des Bildes. Ist auch das Sprachverständnis eingeschränkt, gilt das als Risikofaktor dafür, dass die Verzögerung bestehen bleibt.2

Praxis-Tipp

Schreib eine Woche lang jedes Wort auf, das dein Kind von sich aus sagt. Mit dieser Liste kannst du einer Fachperson genau beschreiben, was du beobachtest.

Wie du deine Beobachtungen strukturiert festhalten kannst, zeigt der Beitrag zum Late-Talker-Test mit Checkliste. Der Test ersetzt aber keine Untersuchung.

Alle diese Anzeichen sind Hinweise, keine Diagnose. Ob dein Kind ein Late Talker ist und wie es weitergeht, klärt eine fachliche Untersuchung.

Checkliste mit vier typischen Anzeichen eines Late Talkers mit zwei Jahren und einem Hinweis zum Sprachverständnis.

Warum Late Talker später sprechen

Oft gibt es keinen klaren Grund dafür, dass ein Kind später zu sprechen beginnt.1 Nach den Ursachen suchen viele Eltern trotzdem lange. Ganz ausdrücklich: Eltern sind nicht schuld, und dein Kind ist nicht faul.1

Häufig liegt eine Veranlagung in der Familie.1 Vielleicht erzählt die Oma, dass auch Papa damals spät gesprochen hat. Eine familiäre Häufung von Sprachauffälligkeiten erhöht zugleich das Risiko, dass die Sprachprobleme bestehen bleiben.2 Und Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.2

Mehrsprachigkeit ist dagegen kein Grund für eine verzögerte Sprachentwicklung.1 Wächst dein Kind mit zwei Sprachen auf und spricht mit zwei Jahren kaum, lohnt sich deshalb derselbe genaue Blick wie bei einem einsprachigen Kind.

Wichtig ist außerdem das Gehör. Bei Auffälligkeiten in der Sprache wird bei der U7 auch das Gehör untersucht.1 Hast du Zweifel, ob dein Kind gut hört, geh dem nach.3

Und dann ist da noch eine Frage, die viele Eltern beschäftigt: Sprechen besonders kluge Kinder später? Dem geht der Beitrag über Late Talker und Hochbegabung nach.

Late Talker trotz Krippe und Kita

Auch Kinder, die jeden Tag in der Krippe oder Kita von Sprache umgeben sind, können Late Talker sein. Denn auch hier gilt: Oft gibt es keinen klaren Grund, häufig liegt eine Veranlagung in der Familie.1

Gerade berufstätige Eltern fragen sich dann schnell, ob sie zu wenig Zeit zum Reden mit ihrem Kind haben. Diese Sorge ist verständlich, doch am späten Sprechen sind Eltern nicht schuld.1

Nutze lieber, dass die Erzieherinnen und Erzieher dein Kind viele Stunden am Tag erleben. Frag sie zum Beispiel, ob dein Kind in der Gruppe mehr oder weniger spricht als zu Hause, ob es versteht, was im Morgenkreis gesagt wird, und wie es sich Hilfe holt. Ihre Beobachtungen ergänzen deine eigenen, wenn du mit einer Fachperson sprichst.

Zu Hause zählen auch die kurzen Momente, in denen ihr ganz beieinander seid: beim Abholen, beim Abendessen, beim Zubettgehen. Elterntrainings für Late Talker setzen genau dort an, etwa am gemeinsamen Blick auf dieselbe Sache, am Abwechseln beim Sprechen und daran, auf die Signale deines Kindes einzugehen.2

Video 8:27Worauf du achten kannst, wenn dein Kind in die Krippe gehtWie du die Sprache deines Kindes auch neben einem vollen Berufsalltag im Blick behältst, erkläre ich dir in diesem Video.
Vorschaubild zum Video: Worauf du achten kannst, wenn dein Kind in die Krippe geht

Was die Forschung über Late Talker sagt

Nicht alle Late Talker holen von selbst auf: Nach der medizinischen Leitlinie zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen schafft das etwa ein Drittel bis zum dritten Geburtstag.2 Bei einem weiteren Drittel zeigen sich Sprachschwächen, also leichtere sprachliche Auffälligkeiten, beim letzten Drittel eine Sprachentwicklungsstörung.2 Je nach Studie liegt der Anteil der Kinder, die bis zum dritten Geburtstag aufholen, zwischen 35 und 50 Prozent.2 Diese Kinder nennt man Late Bloomer, also Spätzünder.3

Und wie steht es um Spätfolgen? Auch Aufholen heißt nicht immer, ganz gleichzuziehen: Die Sprachleistungen der Late Bloomer liegen in den folgenden Jahren häufig im unteren Normbereich, also gerade noch im Rahmen dessen, was in ihrem Alter üblich ist.2 Eine deutsche Langzeitstudie, die ehemalige Late Talker bis ins Einschulungsalter begleitet hat, kommt zu dem Ergebnis: Trotz Fortschritten lagen ihre Sprachfähigkeiten als Gruppe auch dann noch unter dem Niveau gleichaltriger Kinder.2

Das klingt erst einmal ernüchternd. Es zeigt aber vor allem, wie viel die Zeit zwischen dem zweiten und dem dritten Geburtstag zählt.2 Zeigt sich ab dem dritten Geburtstag doch eine Sprachentwicklungsstörung, fällt sie nach der Leitlinie voraussichtlich leichter aus, wenn im dritten Lebensjahr eine Frühintervention stattgefunden hat, also gezielte frühe Hilfe.2

Wusstest du das?

Eine Heidelberger Studie hat Late Talker untersucht, die altersgemäß verstanden, aber wenig sprachen.4 Nach einem dreimonatigen Elterntraining der Mütter sprachen mit drei Jahren 75 Prozent dieser Kinder altersgerecht, in der Vergleichsgruppe ohne Training nur 44 Prozent.4

Im folgenden Video stelle ich dir eine Studie vor, die Late Talker über mehrere Jahre begleitet hat.

Vorschaubild zum Video: Was eine Langzeitstudie über Late Talker zeigt

Was du im Alltag tun kannst

Du kannst dein Kind gut unterstützen, indem du im Alltag viel mit ihm sprichst, etwa beim Essen oder beim Anziehen.1 Dafür brauchst du keine Extra-Stunde und kein Material, sondern ein paar Gewohnheiten:

  • Folge seinem Blick: Sprich über das, was dein Kind gerade anschaut oder in der Hand hält. Diesen gemeinsamen Blick auf dieselbe Sache üben Eltern auch in Elterntrainings.2
  • Wiederhole richtig, statt zu verbessern: Fehler korrigierst du nicht direkt, sondern du wiederholst das Gesagte richtig.1 Sagt dein Kind Nane, antworte zum Beispiel: Ja, eine Banane. Die Banane ist gelb.
  • Lass nicht nachsprechen: Fordere dein Kind nicht auf, Wörter nachzusprechen.1 Ein Sag mal Ball macht aus dem Spiel schnell eine Prüfung.
  • Wechselt euch ab: Mach nach deinem Satz eine Pause, damit dein Kind an die Reihe kommen kann, mit einem Laut, einer Geste oder einem Wort. Fachleute nennen das Sprecherwechsel.2

Ein Beispiel aus der Küche: Ben steht auf seinem Hocker und rührt mit dem Schneebesen in einer leeren Schüssel. Er schaut dich an und ruft: Mama! Nimm das Rühren auf: Du rührst. Du rührst ganz schnell.

So sprichst du über das, was Ben gerade beschäftigt. Sagst du stattdessen Schau mal, da ist ein Löffel!, muss Ben erst von seiner Schüssel wegschauen. Bleib lieber bei dem, was dein Kind gerade spannend findet.

Willst du dabei angeleitet werden, gibt es strukturierte Elterntrainings. Spricht dein Kind vor allem zu wenig, versteht aber altersgemäß, empfiehlt die Leitlinie zunächst ein solches Training, etwa das Heidelberger Elterntraining, und danach eine weitere Beobachtung.2 Versteht dein Kind auch wenig, bessert sich nach dem Training nichts deutlich oder kommen weitere Risiken wie eine familiäre Veranlagung dazu, sollte eine Sprachtherapie mit deinem Kind selbst angeboten werden.2

Konkrete Spielideen für zu Hause findest du im Beitrag zu Late-Talker-Übungen. Welche Formen der Unterstützung es gibt, vom Elterntraining bis zur Therapie, erklärt der Beitrag zur Late-Talker-Förderung.

Wann du nicht abwarten solltest

Fällt dir auf, dass dein Kind mit zwei Jahren wenig spricht oder keine Wörter kombiniert, sollte seine Sprachentwicklung innerhalb von drei Monaten eingehend beobachtet und untersucht werden, spätestens bis zum 27. Lebensmonat.2 Dann ist dein Kind ungefähr zwei Jahre und drei Monate alt. Abwarten ist bei Late Talkern deshalb kein guter Plan.

Dazu gehört mehr als das Zählen von Wörtern. Geprüft werden auch Verstehen und Kommunikation, die Entwicklung außerhalb der Sprache und Umstände, die die Sprachentwicklung fördern oder bremsen.2

Lass die Sprache deines Kindes deshalb zeitnah von einer Fachperson einschätzen, also von einer Sprachtherapeutin oder Logopädin. Ansprechen solltest du deine Beobachtungen auch bei der U7: Sie liegt zwischen dem 21. und dem 24. Lebensmonat, und für diesen Zeitpunkt gibt es Elternfragebögen zum Wortschatz.2 Ist die U7 schon vorbei, warte nicht bis zur nächsten U-Untersuchung, damit die Frist bis zum 27. Lebensmonat eingehalten werden kann.2 Was bei der U7 sonst noch geprüft wird, beschreibt der Beitrag zur U7-Untersuchung.

Diese Punkte solltest du bei dem Gespräch unbedingt erwähnen, denn sie sind für die weitere Planung wichtig:

  • Dein Kind versteht auch wenig von dem, was du sagst.2
  • In eurer Familie sind Sprachauffälligkeiten bekannt.2
  • Du hast Zweifel, ob dein Kind gut hört.3

Hat dein Kind als Late Talker mit drei Jahren den Rückstand noch nicht aufgeholt, braucht es logopädische Unterstützung.1 Ob eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt, sollten in aller Regel Fachärztinnen und Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie feststellen, also für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen.3

Eine erste fachliche Einschätzung bekommst du auch im kostenlosen Erstgespräch bei Talk2Kids. Dort schauen wir gemeinsam, wo dein Kind steht und welcher nächste Schritt sinnvoll ist. Das Erstgespräch ist keine Diagnostik, aber es hilft dir, nicht wertvolle Zeit mit Abwarten zu verlieren.

Entscheidungsweg für Eltern eines Late Talkers: ansprechen, innerhalb von drei Monaten untersuchen lassen, Elterntraining oder Sprachtherapie, Gehör prüfen bei Zweifeln, logopädische Unterstützung, wenn der Rückstand mit drei Jahren bleibt.

Früh hinschauen lohnt sich

Ein Late Talker spricht mit zwei Jahren deutlich weniger als Gleichaltrige, obwohl keine körperliche oder geistige Beeinträchtigung erkennbar ist.3 Ein Teil dieser Kinder holt von selbst auf, viele aber nicht oder nicht ganz.2 Deshalb lohnt es sich, die Sprache deines Kindes früh untersuchen zu lassen, statt bis zum dritten Geburtstag zu warten.2 Mit einem genauen Blick, einem sprachfreundlichen Alltag und, wo nötig, fachlicher Begleitung gibst du deinem Kind viel Rückenwind auf dem Weg zu seinen Wörtern.

Häufige Fragen zu Late Talker

Kurz beantwortet — ausführlich in den Beiträgen.

Wann fangen Late Talker an zu sprechen?

Einen festen Zeitpunkt gibt es nicht. Ein Teil der Late Talker holt den Rückstand bis zum dritten Geburtstag auf und spricht dann altersgerecht, diese Kinder heißen Late Bloomer. Bei den anderen bleibt die Sprache auch danach hinter Gleichaltrigen zurück. Warte deshalb nicht ab, sondern lass die Sprache deines Kindes mit gut zwei Jahren genauer untersuchen.

Sind Late Talker hochbegabt?

Die Bezeichnung Late Talker sagt nichts über eine besondere Begabung aus. Als Late Talker gelten Kinder, deren Sprache verzögert ist, ohne dass eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung erkennbar ist. Wichtig ist, nicht in der Hoffnung auf eine Begabung abzuwarten, sondern die Sprache fachlich einschätzen zu lassen.

Wie ist die Prognose für Late Talker?

Die Prognose ist offen. Ein Teil der Late Talker holt bis zum dritten Geburtstag von selbst auf, bei den anderen zeigen sich Sprachschwächen oder eine Sprachentwicklungsstörung. Auch Kinder, die aufholen, bleiben oft im unteren Normbereich. Gezielte frühe Hilfe im dritten Lebensjahr kann die Aussichten verbessern, deshalb lohnt sich ein früher Blick von Fachleuten.

Was sind die Gründe dafür, dass ein Kind ein Late Talker ist?

Oft gibt es keinen klaren Grund. Häufig spielt eine Veranlagung in der Familie eine Rolle, und Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Eltern sind nicht schuld, und auch Mehrsprachigkeit ist keine Ursache. Bei Auffälligkeiten in der Sprache wird außerdem das Gehör untersucht, denn gutes Hören ist für die Sprachentwicklung wichtig.

Diese Seite teilt allgemeines Wissen, ersetzt jedoch keine fachliche logopädische Diagnostik. Solltest du Bedenken hinsichtlich der Sprachentwicklung deines Kindes haben, sprich am besten vertrauensvoll mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt.

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