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Redefluss

Stockt dein Kind beim Sprechen, ist das nicht immer eine Redeflussstörung: So erkennst du Stottern und Poltern und weißt, wann eine Fachperson gefragt ist.

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Kurz gesagt

Eine Redeflussstörung ist eine Störung des flüssigen Sprechens, zu der Stottern und Poltern zählen. Vorübergehendes Stocken mit wiederholten Satzteilen gehört bei vielen Kindern zur Sprachentwicklung, Silbenwiederholungen, Dehnungen und Blockaden gehören nicht dazu. Stottern beginnt bei etwa 50 von 1.000 Kindern, oft plötzlich zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr. Bei Anzeichen von Stottern lass dein Kind früh von einer Fachperson einschätzen.

Eine Redeflussstörung liegt vor, wenn der flüssige Ablauf beim Sprechen beeinträchtigt ist, zum Beispiel durch Stottern oder Poltern.1 Es geht dabei nicht darum, wie dein Kind einzelne Laute bildet, sondern darum, wie seine Wörter fließen: im Takt, im passenden Tempo und ohne Hängenbleiben.

Längst nicht jedes Stocken ist eine Störung, denn viele Kinder sprechen im Laufe ihrer Sprachentwicklung phasenweise nicht flüssig.1 Mein Rat ist trotzdem klar: Hörst du Warnzeichen, hol früh eine Fachperson dazu, statt abzuwarten.

Was ist eine Redeflussstörung?

Eine Redeflussstörung ist eine Sprechstörung, bei der der Fluss der Wörter immer wieder unterbrochen wird oder aus dem Takt gerät. Mit Redefluss ist gemeint, wie flüssig, in welchem Tempo und in welchem Rhythmus jemand spricht. Fachleute unterscheiden zwei Formen:

  • Stottern: Der Redefluss wird unterbrochen, etwa durch Silbenwiederholungen, gedehnte Laute oder Blockaden. Wie Stottern entsteht und verläuft, erkläre ich ausführlich im Beitrag über Stottern bei Kindern.
  • Poltern: Dein Kind spricht zu schnell, unregelmäßig oder beides zugleich, Silben verschmelzen oder fallen weg. Woran du Poltern erkennst und was dann hilft, liest du im Beitrag über Poltern bei Kindern.

Wichtig ist die Grenze zur Aussprache, denn beides wird oft in einen Topf geworfen. Bei der Aussprache geht es darum, ob dein Kind einen Laut richtig bildet, etwa das /SCH/ oder das /S/, beim Redefluss darum, ob die Wörter flüssig herauskommen. Ein Kind kann jeden Laut sauber bilden und trotzdem stottern. Aussprache und Redefluss sind zwei verschiedene Bereiche, deshalb schauen wir sie uns getrennt an.

Wenn dein Kind ins Stocken gerät

Normales Stocken, also kurzes unflüssiges Sprechen beim Erzählen, gehört zur Sprachentwicklung und ist kein echtes Stottern. Fachleute nennen diese Phase im Kindergartenalter entwicklungsphysiologisches Stottern. Dein Kind stolpert beim Sprechen, weil Sprache, Grammatik und Sprechmotorik gerade explodieren. Das Gehirn ist schlicht beschäftigt.

Mia kommt aus der Kita und will dir sofort vom Ausflug erzählen: Und dann, und dann hat der Hund, ähm, der Hund hat den Stock geholt! Sie wiederholt Satzteile, schiebt ein ähm ein und setzt neu an. Dabei bleibt sie locker und erzählt munter weiter.

Genau so klingen normale Unflüssigkeiten: Denkpausen und Füllwörter, Wiederholungen ganzer Wörter oder Satzteile und abgebrochene Wörter, aber keine gedehnten Laute und keine Blockaden.1 Bei Vorschulkindern kommen solche Unflüssigkeiten im Schnitt etwa bei jedem 20. Wort vor, in langen, komplizierten Sätzen häufiger.2

Fängt das Stocken von einem Tag auf den anderen an, ist der Schreck oft groß. Was hinter einem plötzlichen Beginn stecken kann, erkläre ich im Beitrag „Kind stottert plötzlich“.

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Fragst du dich gerade, was rund um den dritten Geburtstag noch normal ist, hilft dir der Beitrag über Stottern mit 3 Jahren weiter.

Normal ist das Stocken, solange dein Kind locker bleibt und ganze Wörter oder Satzteile wiederholt, wie und dann, und dann. Wiederholt es einzelne Silben oder kurze Wörter mehrfach hintereinander wie I-I-I-Ich, dehnt es Laute oder bleibt es an einem Wort hängen, ist das kein normales Stocken mehr. Dasselbe gilt, wenn es sich beim Sprechen sichtbar anstrengt. Dann lass dein Kind jetzt von einer Fachperson einschätzen und warte nicht darauf, dass es sich von selbst gibt.

Gegenüberstellung von normalem Stocken und Stottern: wiederholte Satzteile, Füllwörter und Denkpausen auf der einen Seite, Silbenwiederholungen, mehrfach wiederholte kurze Wörter, Dehnungen, Blockaden und Anstrengung auf der anderen.

Woran du Stottern erkennst

Stottern ist eine Diagnose mit klaren Kriterien und kein Wort für jedes Stolpern beim Sprechen. Typisch sind Silbenwiederholungen am Satzanfang, etwa wenn dein Kind fragt: Da-da-da-darf ich mit? Stottertypisch sind außerdem wiederholte Laute oder einsilbige Wörter wie I-I-I-Ich, gedehnte Laute wie Mmmmama und Blockaden, bei denen dein Kind angespannt an einem Laut hängen bleibt.1

Versucht dein Kind, das Stottern zu unterdrücken, können Begleitsymptome dazukommen: Es nickt mit dem Kopf, zwinkert, bewegt Arme oder Körper mit, schiebt Füllwörter ein oder meidet Situationen, in denen es sprechen müsste.1 Für mich sind solche Begleitsymptome ein Signal, sofort eine Fachperson einzubeziehen.

Etwa 50 von 1.000 Kindern fangen an zu stottern, oft ganz plötzlich zwischen dem zweiten und dem sechsten Lebensjahr.3 Bei etwa drei Vierteln dieser Kinder verliert sich das Stottern von selbst, meist innerhalb von zwei Jahren.3 Ob dein Kind dazugehört, lässt sich allerdings nicht vorhersagen.4

Wusstest du das?

Zwillingsstudien schätzen die Erblichkeit von Stottern auf 69 bis 85 Prozent.4 Die Art, wie ihr zu Hause mit eurem Kind sprecht, und euer Erziehungsstil sind nicht die Ursache.2

Manche Eltern geben sich die Schuld, wenn ihr Kind stottert.3 Dafür gibt es keinen Grund, du hast nichts falsch gemacht. Und gerade weil niemand vorhersagen kann, ob sich das Stottern bei deinem Kind von selbst verliert, ist Abwarten keine Strategie.

Poltern und der Unterschied zum Stottern

Poltern ist eine Redeflussstörung, bei der ein Kind zu schnell, unregelmäßig oder beides zugleich spricht: Silben verschmelzen oder fallen weg, Pausen sitzen an ungewöhnlichen Stellen, und oft ist das Kind dadurch schwer zu verstehen.4

Jonas erzählt beim Abendessen vom Fußballspiel, und die Sätze purzeln nur so aus ihm heraus: Unnann hatter Tor geschossn, unalle ham geschrien! Du verstehst gerade mal die Hälfte. Bittest du ihn, es dir noch einmal in Ruhe zu erzählen, klappt es deutlich besser.

Das ist typisch, denn anders als beim Stottern bessert sich Poltern, wenn das Kind konzentriert und langsamer spricht.1 Wer poltert, ist sich dessen oft gar nicht bewusst und merkt nicht immer, wenn das Gegenüber nicht mehr folgen kann.2

Poltern ist weniger erforscht als Stottern und kommt seltener vor, genaue Zahlen gibt es aber nicht.4 Einige, die poltern, haben außerdem Schwierigkeiten mit Grammatik und Wortschatz.1 Poltern und Stottern können auch gemeinsam auftreten.2 Ob hinter schnellem, verwaschenem Sprechen ein Poltern, ein Ausspracheproblem oder beides steckt, kann nur eine Fachperson sauber auseinanderhalten.

Der Unterschied zwischen Stottern und Poltern auf einen Blick:

  • Was du hörst: Beim Stottern Wiederholungen von Lauten und Silben, Dehnungen und Blockaden. Beim Poltern ein zu schnelles oder unregelmäßiges Tempo mit verschluckten Silben.
  • Was dein Kind merkt: Ein Kind, das stottert, weiß genau, was es sagen will, bekommt das Wort aber nicht flüssig heraus.1 Ein Kind, das poltert, merkt nicht immer, dass andere es nicht verstehen.
  • Langsamer sprechen: Beim Poltern hilft konzentriertes, langsameres Sprechen. Beim Stottern verunsichert genau dieser Rat eher.3
Gegenüberstellung von Stottern und Poltern: was Eltern hören, was das Kind selbst bemerkt und ob langsameres Sprechen hilft.

Was deinem Kind im Alltag hilft

Im Alltag hilft deinem Kind vor allem, wenn du ihm Zeit gibst und auf das hörst, was es sagt. Halte Blickkontakt, bleib geduldig, lass dein Kind ausreden und beende keine Wörter oder Sätze für es.3 Gut gemeinte Ratschläge wie Denk erst nach oder Sprich langsam verunsichern Kinder, die stottern, eher, als dass sie nutzen.3

Ben sitzt am Frühstückstisch und setzt an: Ma-ma-ma-Mama, darf ich nachher zu Leo? Du schaust ihn an, wartest, bis er fertig ist, und antwortest auf seine Frage: Ja, nach dem Mittagessen bringe ich dich hin. Ben erlebt, dass das, was er sagt, bei dir ankommt.

Hättest du stattdessen gesagt Ganz ruhig, atme erst mal tief durch, hätte Ben vor allem eines gehört: Mit meinem Sprechen stimmt etwas nicht. Seine Frage wäre dabei untergegangen.

Praxis-Tipp

Antworte auf das, was dein Kind sagt, nicht darauf, wie es spricht. Lass ihm die Zeit, die es braucht, auch wenn andere am Tisch schon ungeduldig werden.

Eines solltest du allerdings nicht tun: Stottern ohne Anleitung durch eine Therapeutin selbst behandeln.2 Gezieltes Üben gehört in eine Therapie, in der dich eine Fachperson anleitet. Welche Reaktionen deinem Kind im Alltag sonst noch helfen, sammle ich in den Eltern-Tipps zum Stottern.

Wann solltest du handeln?

Handeln solltest du, sobald das Stocken nicht mehr nach normalem Stolpern klingt oder dein Kind darunter leidet. Diese Anlässe sind ein klares Signal, eine Fachperson einzubeziehen:

  • Dein Kind wiederholt einzelne Laute oder Silben, dehnt Laute oder bleibt an Wörtern hängen.
  • Es strengt sich beim Sprechen sichtbar an, kneift die Augen zu oder bewegt Kopf oder Arme mit.
  • Es spricht nicht mehr gern oder meidet Situationen, in denen es reden muss.
  • Es wird wegen seines Sprechens gehänselt.
  • Dein Kind gerät ins Stocken, und in eurer Familie stottert jemand oder hat früher gestottert.
  • Das Stocken hält seit Monaten an und wird nicht weniger.
  • Dein Kind spricht so schnell und verwaschen, dass andere es oft nicht verstehen.

Die Fachleitlinie zum Stottern nennt als Gründe für einen frühen Therapiebeginn unter anderem mehrere Risikofaktoren, anhaltenden Kontrollverlust oder vermehrte Anstrengung beim Sprechen, Leidensdruck und Vermeidungsverhalten.4 Eine Behandlung ist außerdem angezeigt, wenn ein Kind wegen seines Stotterns nicht mehr gern spricht oder deshalb gehänselt wird.2 Als Risikofaktoren dafür, dass Stottern bleibt, gelten das männliche Geschlecht, Stottern in der Familie, ein Beginn nach dem dritten bis vierten Geburtstag und keine Besserung in den ersten 7 bis 12 Monaten nach Beginn.4

Für den Beginn einer Therapie gilt: Bessert sich das Stottern nach 6 bis 12 Monaten nicht, empfehlen Fachleute eine Therapie.3 Leidet dein Kind oder ihr als Familie stark darunter, soll sofort behandelt werden.3

Als Sprachtherapeutin sage ich dir ganz klar: Diese Monate sind keine Wartezeit, in der du hoffst, dass es von allein weggeht. Lass dein Kind gleich zu Beginn von einer Fachperson einschätzen, also von einer Sprachtherapeutin, einem Sprachtherapeuten, einer Logopädin oder einem Logopäden. Sie erkennt, ob Risikofaktoren vorliegen, und behält den Verlauf mit dir im Blick.

Stottern schwankt über die Zeit und hängt von der Situation ab, Aufregung, Müdigkeit und Stress können es verstärken.1 Gut möglich also, dass dein Kind im Termin ganz flüssig spricht. Nimm es deshalb ruhig mit dem Handy auf, wenn es zu Hause erzählt und ins Stocken gerät. So sieht die Fachperson, was du im Alltag hörst.

Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren gibt es eigene Therapieverfahren, zum Beispiel das Lidcombe-Programm.3 Dabei lernen Eltern, wie sie im Alltag mit ihrem Kind üben, und loben es zum Beispiel, wenn es flüssig spricht.1 Welche Ansätze es noch gibt und wann eine Therapie beginnen sollte, liest du im Ratgeber zur Stottertherapie bei Kindern.

Ziel ist, dass sich das Stottern im Alter von drei bis sechs Jahren zurückbildet und eine Therapie möglichst vor dem Schulstart abgeschlossen ist.4 Heißt im Umkehrschluss: Warte nicht bis zur Einschulung. Wie du dein Kind begleitest, wenn es mit dem Stottern in die Schule kommt, liest du im Beitrag über Stottern und Einschulung.

Bist du unsicher, ob dein Kind nur ins Stocken gerät oder stottert, schauen wir uns das im kostenlosen Erstgespräch bei Talk2Kids gemeinsam an.

Checkliste mit sechs Anlässen, bei denen Eltern den Redefluss ihres Kindes von einer Fachperson einschätzen lassen sollten.

Genau hinhören, früh handeln

Eine Redeflussstörung zeigt sich bei Kindern als Stottern oder Poltern und ist etwas anderes als das normale Stocken, in das viele Kinder beim Erzählen geraten. Den Unterschied hörst du an der Art des Stockens: Wiederholte Satzteile, Füllwörter und Denkpausen gehören zur Entwicklung, Silbenwiederholungen, Dehnungen, Blockaden und sichtbare Anstrengung nicht. Weil sich bei keinem Kind vorhersagen lässt, ob das Stottern von selbst verschwindet, rate ich dir zu einem frühen Blick von außen. Je früher eine Fachperson dein Kind kennt, desto mehr Zeit bleibt für eine Therapie vor dem Schulstart.

Häufige Fragen zu Redefluss

Kurz beantwortet — ausführlich in den Beiträgen.

Was sind die Ursachen von Stottern?

Stottern beruht vor allem auf einer familiären, also erblichen Veranlagung. Bei Kindern, die stottern, arbeitet das Gehirn bei der Planung des Sprechens anders. Die Erziehung und die Art, wie ihr zu Hause sprecht, sind nicht die Ursache. Du musst dir also keine Vorwürfe machen, solltest dein Kind aber früh fachlich einschätzen lassen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Sprachstörung und einer Sprechstörung?

Eine Sprachstörung betrifft das Sprachsystem, also Wortschatz, Grammatik und Sprachverständnis. Eine Sprechstörung betrifft das Sprechen selbst, etwa die Bildung der Laute oder den Redefluss. Stottern zählt deshalb zu den Sprechstörungen. Beim Poltern haben manche Kinder zusätzlich Schwierigkeiten mit Grammatik und Wortschatz. Eine Fachperson schaut sich deshalb immer die ganze Sprache an.

Kann Stottern wieder weggehen?

Ja, bei den meisten Kindern verliert sich das Stottern wieder, am häufigsten in der ersten Zeit nach dem Beginn. Ob das bei deinem Kind so sein wird, kann aber niemand vorhersagen. Deshalb ist Abwarten keine gute Strategie. Lass dein Kind früh von einer Fachperson einschätzen, die den Verlauf mit dir beobachtet und rechtzeitig handelt.

Was ist Poltern?

Poltern ist eine Redeflussstörung, bei der ein Kind zu schnell, unregelmäßig oder beides zugleich spricht. Silben verschmelzen oder fallen weg, Pausen sitzen an ungewöhnlichen Stellen, und oft ist das Kind dadurch schwer zu verstehen. Anders als stotternde Kinder bemerken polternde Kinder das oft selbst nicht. Wird dein Kind häufig nicht verstanden, lass es fachlich einschätzen.

Ab welchem Alter ist Logopädie bei Stottern sinnvoll?

Eine Fachperson kann dein Kind einschätzen, sobald das Stottern beginnt, auch schon im Kleinkindalter. Sie erkennt, ob Risikofaktoren vorliegen und ob eine Therapie nötig ist. Für Kinder im Kindergartenalter gibt es eigene Therapieverfahren, etwa das Lidcombe-Programm, bei dem Eltern angeleitet mitarbeiten. Ziel ist, dass das Stottern möglichst vor dem Schulstart überwunden ist.

Diese Seite teilt allgemeines Wissen, ersetzt jedoch keine fachliche logopädische Diagnostik. Solltest du Bedenken hinsichtlich der Sprachentwicklung deines Kindes haben, sprich am besten vertrauensvoll mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt.

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