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Wortschatz

Der Wortschatz bei Kindern wächst im Gespräch: Mit zwei Jahren sind 50 Wörter nur die unterste Grenze, und neue Wörter förderst du im Alltag ganz nebenbei.

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Kurz gesagt

Der Wortschatz bei Kindern umfasst alle Wörter, die dein Kind versteht oder selbst spricht. Die ersten Wörter kommen meist zwischen dem ersten Geburtstag und eineinhalb Jahren. Mit 24 Monaten sprechen Kinder in der Regel etwa 200 Wörter, 50 sind nur die unterste Grenze. Fällt der Wortschatz mit zwei Jahren auf, sollte eine Fachperson spätestens bis zum 27. Lebensmonat hinschauen.

Zum Wortschatz bei Kindern gehören alle Wörter, die dein Kind versteht, und alle Wörter, die es selbst spricht. Die ersten Wörter kommen meist zwischen dem ersten Geburtstag und eineinhalb Jahren.1 Mit 24 Monaten sprechen Kinder in der Regel etwa 200 Wörter.2 50 Wörter sind dagegen nur die unterste Messlatte und kein gutes Ergebnis.

Für mich als Sprachtherapeutin ist der Wortschatz einer der zentralen Bereiche der Sprache. Aus Wörtern baut dein Kind seine ersten Sätze, mit Wörtern erzählt es, fragt nach und sagt, was es braucht. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, und zwar nicht nur darauf, wie viele Wörter es sind.

Was alles zum Wortschatz gehört

Der Wortschatz hat zwei Seiten: die Wörter, die dein Kind versteht, und die Wörter, die es selbst benutzt. Fachleute unterscheiden deshalb den passiven Wortschatz vom aktiven Wortschatz.

Das Verstehen kommt zuerst. Schon gegen Ende des ersten Lebensjahres versteht dein Kind bekannte Wörter wie Ball oder Auto.1 Selbst sagen muss es sie dafür noch nicht. Wann eine große Lücke zwischen Verstehen und Sprechen ein Hinweis ist, erfährst du unter „Aktiver und passiver Wortschatz“.

Ein Wort zu kennen heißt außerdem mehr, als es nachsprechen zu können. Dein Kind muss wissen, was das Wort bedeutet, es im Kopf ablegen und es im richtigen Moment wiederfinden. Erst dann kann es das Wort im Gespräch benutzen.

Und es geht nicht nur um Namen für Dinge wie Ball oder Banane. Genauso wichtig sind diese Wörter:

  • Verben: essen, schlafen, werfen, holen
  • Eigenschaftswörter: heiß, nass, groß, rot
  • Kleine Wörter: auch, noch, mehr, weg, da

Gerade die Verben brauchen Kinder, um aus Wörtern richtige Sätze zu machen, denn ohne Verb lässt sich kein vollständiger Satz bauen. Farbwörter wie rot oder blau sind ein eigenes Thema, mehr dazu unter „Farben lernen: Ab wann Kinder Farben benennen können“.

Wie der Wortschatz bei Kindern wächst

Der Wortschatz deines Kindes wächst nicht gleichmäßig. Er wächst erst langsam und dann immer schneller, wie die Richtwerte für die ersten Jahre zeigen.

Die ersten Wörter

Die meisten Kinder sprechen ihre ersten Wörter zwischen dem ersten Geburtstag und eineinhalb Jahren, oft sind es Mama und Papa.1 Als Wort zählt dabei auch, was noch nicht wie bei Erwachsenen klingt. Sagt dein Kind zum Hund immer Wauwau, ist das ein Wort. Wann genau das erste Wort kommt und wie du den Übergang vom Lallen zum Sprechen begleitest, zeigt „Erste Wörter: Wann Babys anfangen zu sprechen“.

Wenn das Tempo anzieht

Mit 20 Monaten sprechen Kinder, die sich unauffällig entwickeln, zwischen 50 und etwa 200 Wörter.1 Die Spanne ist groß. Welche Richtwerte für den Wortschatz mit zwei, drei und vier Jahren gelten, ordnet der Beitrag „Wie viele Wörter sollte ein Kind können?“ ein.

Zieht das Tempo deutlich an, sprechen Fachleute vom Wortschatzspurt oder von der Wortschatzexplosion. Ist das nicht erstaunlich? Ein Kind, das eben noch einzelne Wörter gesagt hat, schnappt plötzlich überall neue auf. Was hinter diesem Sprung steckt und was es bedeutet, wenn er auf sich warten lässt, erkläre ich unter „Wortschatzexplosion: Wenn dein Kind plötzlich viele Wörter lernt“.

Bis zum Schulstart

Zum Schulbeginn verfügen Kinder über mehr als 3000 Wörter in ihrem aktiven Wortschatz.1 Dein Kind braucht diese Wörter jeden Tag: um Aufgaben zu verstehen, um im Stuhlkreis zu erzählen und um zu sagen, was es weiß.

Bleibt der Wortschatz zurück, betrifft das deshalb mehr als das Sprechen. Von einer Sprachentwicklungsstörung sprechen Fachleute, wenn die Sprache eines Kindes in einem oder mehreren Bereichen deutlich von der altersgemäßen Entwicklung abweicht.3 Laut der medizinischen Leitlinie kann sich eine solche Störung auf die Gefühle eines Kindes, auf seine Beziehungen zu anderen Kindern und auf das Lernen auswirken.3

Aus meiner Sicht gilt deshalb: Warte mit dem genauen Blick nicht bis zur Einschulung. Fällt dir jetzt etwas auf, lass es jetzt einschätzen.

Stufenmodell zum Wortschatz bei Kindern mit Richtwerten für die ersten Wörter, für 20 und 24 Monate und für den Schulbeginn.

Warum 50 Wörter nicht reichen

50 Wörter mit zwei Jahren sind eine Untergrenze, kein Ziel. An dieser Grenze setzen Fachleute an, wenn sie von einem späten Start sprechen.

Spricht ein Kind mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter und bildet es noch keine Zweiwortäußerungen, gilt es als Late Talker, also als spät sprechendes Kind. Beides gehört zusammen: wenige Wörter und noch keine Wortverbindungen wie Papa Ball.

Ich sage es dir ganz klar: Ein Kind mit etwa 50 Wörtern ist damit nicht automatisch gut dabei. Es liegt im untersten Bereich. Normal sind um den zweiten Geburtstag herum etwa 200 Wörter.2 Genau dieser Unterschied wird oft falsch verstanden.

Stell dir vor, dein Kind bringt eine Klassenarbeit mit einer Vier minus nach Hause. Bestanden, ja. Aber würdest du sagen, es steht richtig gut da? Wohl kaum. Mit den 50 Wörtern ist es genauso.

Kinder im gleichen Alter unterscheiden sich beim Wortschatz stark.4 Ein Grund zum Abwarten ist das nicht.

Late Talker zählen zu den Kindern mit verzögerter Sprachentwicklung, und diese Verzögerung gilt als wichtiges Vorstadium einer Sprachentwicklungsstörung.3 Von den Kindern mit verzögerter Sprachentwicklung holt nur etwa ein Drittel den Rückstand bis zum dritten Geburtstag auf.5 Bei etwa einem Drittel zeigt sich eine Sprachentwicklungsstörung, bei einem weiteren Drittel bleiben Sprachschwächen.5

Fällt der Wortschatz um den zweiten Geburtstag auf, sollte die Sprache deshalb innerhalb von drei Monaten genau angeschaut werden, spätestens bis zum 27. Lebensmonat.5

Wächst dein Kind mit mehreren Sprachen auf, kennt es viele Wörter oft nur in einer seiner Sprachen.6 Schau beim Einschätzen deshalb auf alle Sprachen zusammen. Mehrsprachigkeit verursacht keine Sprachentwicklungsstörung.6 Macht dein Kind aber auch in seiner Familiensprache kaum Fortschritte, hol dir Hilfe und warte nicht darauf, dass es mit dem Kindergarten besser wird.

Wortschatz und Grammatik hängen zusammen

Wortschatz und Grammatik wachsen nicht getrennt voneinander. Je mehr Wörter dein Kind hat, desto mehr Material hat es, um daraus Sätze zu bauen.

Wusstest du das?

In einer Studie mit 333 deutschsprachigen Kindern zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahren wuchs der Wortschatz schneller als Satzbau und Wortformen, und die Grammatik entwickelte sich in Abhängigkeit vom Wortschatz.4

Ein Beispiel: Solange Jonas vor allem Namen für Dinge kennt, bleibt es bei Papa Auto. Erst mit Verben wie fahren oder holen kann er sagen, was passiert. Dann wird daraus Papa Auto fahren und später Papa fährt Auto. Mit drei Jahren sollte das Verb an der richtigen Stelle stehen, so wie in einem Hauptsatz.

Deshalb zählt für mich nicht nur, wie viele Wörter dein Kind spricht. Genauso wichtig ist, ob es Wörter verbindet, ob Verben dazukommen und ob die Sätze mit der Zeit länger und richtiger werden. Wie dein Kind Schritt für Schritt Sätze baut, zeigt der Überblick zur Grammatik bei Kindern.

Laut Leitlinie kann eine Frühintervention, also frühe gezielte Unterstützung bei verzögerter Sprachentwicklung, die Wortschatzentwicklung anregen, zum Wortschatzspurt führen und den Einstieg in erste Wortkombinationen erleichtern.5

So wächst der Wortschatz im Alltag

Neue Wörter lernt dein Kind im Gespräch, nicht beim Abfragen. Ein Wort hat die besten Chancen, wenn dein Kind es genau in dem Moment hört, in dem es sich für die Sache interessiert.

Ida sitzt in der Badewanne und drückt die Gummiente immer wieder unter Wasser. Du sagst: Die Ente taucht. Jetzt ist sie weg. Und da kommt sie wieder hoch! Du sprichst über das, was Ida gerade spannend findet, und lieferst nebenbei ein Verb und ein paar kleine Wörter mit. Fragst du stattdessen Was ist das? Sag mal Ente!, wird aus dem Spiel eine Prüfung. Ida soll ein Wort liefern, das sie längst kennt, und lernt dabei nichts Neues.

Diese Gewohnheiten helfen dir, den Wortschatz deines Kindes im Alltag zu erweitern:

  • Benennen, was dein Kind anschaut: Folge seinem Blick und gib der Sache einen Namen.
  • Handlungen in Worte fassen: Du schneidest die Gurke. Die Suppe ist heiß, wir pusten.
  • Erweitern statt verbessern: Sagt dein Kind Hund!, antwortest du Ja, der Hund rennt ganz schnell.
  • Wörter wiederholen: Benutze ein neues Wort in verschiedenen Situationen, beim Spielen, beim Essen und im Bilderbuch.

Auch gemeinsames Bilderbuchanschauen hilft. Eine Metaanalyse von 19 Studien mit zusammen 2.594 Teilnehmenden zeigte kleine, aber messbare Effekte auf die Sprache von Kindern zwischen einem und sechs Jahren, wenn Eltern lernten, Bilderbücher gemeinsam mit ihrem Kind anzuschauen.7 Dabei kam es auf den Umfang an, wenig davon brachte kaum etwas.7

Für den Alltag heißt das: Macht das gemeinsame Anschauen zu einem festen Teil eures Tages und redet dabei über die Bilder, statt nur den Text vorzulesen.

Praxis-Tipp

Nimm dir beim nächsten Abendessen vor, nicht nur Dinge zu benennen, sondern auch alles, was ihr tut: schneiden, pusten, kleckern, abwischen.

Sprachförderung im Alltag hilft jedem Kind, sie ersetzt aber keine Therapie. Steckt hinter einem kleinen Wortschatz eine Sprachentwicklungsstörung, gehört dein Kind zu einer Fachperson. Weitere Ideen für Wörter und Sätze findest du unter „Wortschatz und Satzbau im Alltag fördern“.

Wann solltest du handeln?

Handeln solltest du, sobald du merkst, dass der Wortschatz deines Kindes kaum wächst oder dein Kind mit seinen Wörtern nicht zurechtkommt. Achte besonders auf diese Anzeichen:

  • wenn dein Kind mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter spricht und noch keine zwei Wörter verbindet
  • wenn über Wochen kaum neue Wörter dazukommen
  • wenn es oft Ding, das da oder machen sagt, wo ein genaues Wort fehlt
  • wenn es sichtbar nach Wörtern sucht, Wörter verwechselt oder lange umschreibt
  • wenn es deutlich weniger versteht als andere Kinder in seinem Alter
  • wenn es mit drei Jahren noch nicht in Sätzen spricht
  • wenn es frustriert ist, weil es seine Wünsche nicht ausdrücken kann

Warum manche Kinder kaum neue Wörter dazulernen, obwohl ihre Eltern viel mit ihnen sprechen, liest du in „Mein Kind lernt nur wenige neue Wörter“. Sucht dein Kind dagegen ständig nach Wörtern oder findet es Wörter nicht, die es eigentlich kennt, kann eine semantisch-lexikalische Störung dahinterstecken. Gemeint ist damit eine Störung im Wortschatz: Ein Kind kann Wörter nur schwer abspeichern oder im richtigen Moment abrufen. Woran du das erkennst und wie die Therapie hilft, beschreibt der Beitrag „Semantisch-lexikalische Störung: Wenn deinem Kind die Wörter fehlen“.

Eine genaue Einschätzung kann dir nur jemand geben, der sich mit Sprache und Sprachentwicklung im Detail auskennt, also eine Sprachtherapeutin, ein Sprachtherapeut, eine Logopädin oder ein Logopäde. Warte damit nicht bis zur nächsten Vorsorge und erst recht nicht bis zur Einschulung. Im kostenlosen Erstgespräch bei Talk2Kids schauen wir uns den Wortschatz deines Kindes gemeinsam an.

Für den Termin hilft dir eine kleine Liste: Schreib auf, welche Wörter und Sätze dein Kind wörtlich sagt, und ergänze sie immer wieder. Spricht dein Kind in der Praxis nicht, zeig kurze Videos, in denen es zu Hause erzählt.

Checkliste mit sechs Anzeichen, bei denen du den Wortschatz deines Kindes von einer Fachperson einschätzen lassen solltest.

Wörter wachsen im Gespräch

Der Wortschatz deines Kindes wächst aus vielen kleinen Momenten, in denen ihr gemeinsam auf etwas schaut und darüber redet. Dabei zählt nicht nur die Zahl der Wörter, sondern auch, was dein Kind mit ihnen anfängt.

Weil Wörter das Material für Sätze sind, hängt am Wortschatz auch die Grammatik. Begleite dein Kind deshalb mit viel Gespräch im Alltag, und hol dir früh fachlichen Rat, wenn die Wörter auf sich warten lassen.

Häufige Fragen zu Wortschatz

Kurz beantwortet — ausführlich in den Beiträgen.

Was bedeutet Wortschatz bei Kindern?

Der Wortschatz eines Kindes umfasst alle Wörter, die es versteht, und alle Wörter, die es selbst spricht, Fachleute nennen das den passiven und den aktiven Wortschatz. Das Verstehen kommt dabei vor dem Sprechen. Zum Wortschatz gehören nicht nur Namen für Dinge, sondern auch Verben, Eigenschaftswörter und kleine Wörter wie auch oder noch.

Ist es ein Warnzeichen, wenn mein Kind mit 18 Monaten erst wenige Wörter spricht?

Wenige Wörter mit 18 Monaten sind ein Grund, genau hinzuschauen, vor allem wenn über Wochen kaum neue dazukommen. Dann lass die Sprache jetzt von einer Fachperson einschätzen, statt bis zum zweiten Geburtstag zu warten. Spätestens mit zwei Jahren sind weniger als 50 Wörter ohne erste Wortverbindungen ein klares Warnzeichen.

Wie kann ich den Wortschatz meines Kindes erweitern?

Am besten im Gespräch über das, was dein Kind gerade interessiert: Benenne, was es anschaut, fasse eure Handlungen in Worte und greif seine Wörter auf, um sie zu erweitern. Benutze neue Wörter in verschiedenen Situationen immer wieder. Abfragen wie Was ist das? bringen wenig, weil dein Kind dabei nur zeigt, was es schon kann.

Welche Spiele eignen sich, um den Wortschatz zu erweitern?

Gut eignen sich Spiele, bei denen ihr viel miteinander redet: Rollenspiele wie Kaufladen oder Puppenküche, Suchbilder im Bilderbuch oder mit älteren Kindern „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Wichtig ist, dass du mitspielst und dabei erzählst, was passiert. Ein Spiel, bei dem dein Kind nur Bildkarten benennen soll, bringt deutlich weniger.

Woran erkenne ich, dass der Wortschatz meines Kindes zu klein ist?

Hinweise sind: Dein Kind spricht mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter und verbindet noch keine zwei Wörter, über Wochen kommen kaum neue Wörter dazu, oder es sagt oft Ding und machen, wo ein genaues Wort fehlt. Auch häufiges Suchen nach Wörtern gehört dazu. Dann sollte eine Sprachtherapeutin oder Logopädin die Sprache bald einschätzen.

Diese Seite teilt allgemeines Wissen, ersetzt jedoch keine fachliche logopädische Diagnostik. Solltest du Bedenken hinsichtlich der Sprachentwicklung deines Kindes haben, sprich am besten vertrauensvoll mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt.

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