Sprache & Diagnosen
Bei Autismus, Down-Syndrom, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte oder Frühgeburt brauchen Sprachstörungen bei Kindern früh den Blick einer Fachperson für Sprache.
Sprachstörungen bei Kindern können mit einer weiteren Diagnose zusammenhängen, etwa mit Autismus, Down-Syndrom, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, Frühgeburt oder Entwicklungsverzögerung. Etwa 2,3 Prozent aller Kinder haben eine Sprachentwicklungsstörung mit weiterer Diagnose, etwa 7,5 Prozent eine ohne. Kinder mit selektivem Mutismus können sprechen, schweigen aber in bestimmten Situationen. Eine Diagnose ist kein Grund zu warten: Lass die Sprache früh von einer Fachperson einschätzen.
Sprachstörungen bei Kindern stehen nicht immer für sich allein. Bei Autismus, Down-Syndrom, einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, nach einer Frühgeburt oder bei einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung kann auch die Sprache betroffen sein. Etwa 2,3 Prozent aller Kinder haben eine Sprachentwicklungsstörung, die mit einer weiteren Diagnose zusammenhängt, etwa mit einer Hörstörung oder einem Syndrom.1
Beim selektiven Mutismus liegt der Fall anders, denn diese Kinder können sprechen und tun das in bestimmten Situationen auch, meist mit der Familie.2 Für alle diese Diagnosen sage ich dir ganz klar: Eine Diagnose ist kein Grund, mit der Sprache zu warten. Sie erklärt vieles, aber sie ersetzt nicht den genauen Blick einer Fachperson auf die Sprache deines Kindes.
Sprachstörungen bei Kindern mit Diagnose
Ob eine Sprachstörung allein steht oder mit einer anderen Diagnose zusammenhängt, macht für die Behandlung einen wichtigen Unterschied. Zeigt sie sich schon beim Spracherwerb, sprechen Fachleute von einer Sprachentwicklungsstörung, kurz SES. Die Sprache eines Kindes weicht dann in einem oder mehreren Bereichen, etwa beim Wortschatz oder bei der Grammatik, deutlich von der altersgemäßen Entwicklung ab.1
Liegt keine weitere Erkrankung vor, sprechen Fachleute von einer umschriebenen Sprachentwicklungsstörung.1 Tritt die Sprachentwicklungsstörung zusammen mit einer anderen Erkrankung auf, wird diese mitbenannt, etwa als Sprachentwicklungsstörung assoziiert mit einer Hörstörung.1 Die weitere Erkrankung heißt in der Fachsprache Komorbidität, auf dieser Seite einfach Begleitdiagnose.
Etwa 7,5 Prozent aller Kinder haben eine Sprachentwicklungsstörung ohne gravierende weitere Beeinträchtigungen, etwa 2,3 Prozent eine mit einer sprachrelevanten Begleitdiagnose.1 Heißt im Umkehrschluss: Die meisten Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung haben keine weitere Diagnose. Ihnen widmet sich der Beitrag zur Sprachentwicklungsstörung. Auf dieser Seite stehen die Kinder im Mittelpunkt, bei denen die Sprache Teil eines größeren Bildes ist.
Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung sollen eine Sprachtherapie bekommen, die zu ihrer Störung passt und sich auch nach möglichen Begleitdiagnosen richtet.1 Liegt eine Begleitdiagnose vor, empfiehlt die Fachleitlinie zusätzlich einen multiprofessionellen Behandlungsplan, der die sprachtherapeutischen Erfordernisse beachtet.1 Multiprofessionell heißt: Fachleute aus mehreren Berufen planen gemeinsam.
Für mich als Sprachtherapeutin steckt in dieser Empfehlung ein wichtiger Gedanke. Die Sprache läuft nicht nebenher, während sich alle um Medizin, Bewegung oder Ernährung kümmern. Sie gehört von Anfang an mit in den Plan.

Diagnosen, die die Sprache betreffen
Manche Diagnosen betreffen vor allem das Miteinander und die Kommunikation, andere das Hören, den Gaumen oder die Entwicklung insgesamt. Gemeinsam ist ihnen, dass die Sprache einen eigenen, genauen Blick braucht.
Autismus
Autismus ist angeboren und die Folge einer Entwicklungsstörung des Gehirns.3 Zu den Kernmerkmalen gehören Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie stereotype, sich wiederholende Verhaltensweisen.4 Wie sich Sprache und Kommunikation bei autistischen Kindern entwickeln und was du im Alltag tun kannst, erkläre ich im Beitrag „Autismus und Sprachentwicklung“.
Die Sprache entwickelt sich bei Autismus sehr unterschiedlich: Manche Kinder lernen später und schlechter sprechen oder sprechen gar nicht mit anderen.3 Manche wiederholen ständig bestimmte Begriffe und Sätze oder sprechen nach, was andere sagen.3 Fachleute nennen dieses Nachsprechen Echolalie. Mehr dazu im Beitrag „Echolalie: Wenn dein Kind Wörter und Sätze wiederholt“.
Etwa 1 von 100 Menschen in Deutschland hat eine Autismus-Spektrum-Störung.3 Bei Jungen wird Autismus doppelt so häufig festgestellt wie bei Mädchen.3
Autismus diagnostizieren können nur bestimmte Fachleute, zum Beispiel Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -Psychotherapeuten.3 Auch in einem Sozialpädiatrischen Zentrum, kurz SPZ, ist die Diagnose möglich.3 Im SPZ arbeiten verschiedene ärztliche und therapeutische Berufsgruppen eng zusammen.5 Bei einigen Kindern gelingt die Diagnose schon im zweiten Lebensjahr.3
Die Fachleitlinie empfiehlt eine autismusspezifische Therapie, die früh einsetzt, spätestens ab dem Alter von zwei Jahren oder direkt nach der Diagnose.4 Bei Klein- und Vorschulkindern soll sie schon beginnen, wenn ein Verdacht besteht.4 Ein wesentliches Ziel ist es, das Sprachverständnis und das Sprechen zu fördern, auch bei Kindern, die noch nicht aktiv sprechen.4 Ich erwähne das hier ausdrücklich, weil damit klar ist: Niemand muss warten, bis die Diagnose feststeht.
Selektiver Mutismus
Beim selektiven Mutismus kann ein Kind sprechen und tut das auch, meist mit der Familie oder engen Freunden, in anderen Situationen bleibt es aber oft stumm.2 Das US-amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 ordnet den selektiven Mutismus den Angststörungen zu.6 Bei vielen betroffenen Kindern ist Angst ein deutliches Merkmal, insgesamt ist der selektive Mutismus relativ selten.6
Aus meiner Sicht solltest du konsequentes Schweigen in Kita, Schule oder bei anderen Menschen deshalb ernst nehmen und nicht als Phase abtun. Was hinter dem selektiven Mutismus steckt und wie er behandelt wird, erkläre ich im Beitrag „Selektiver Mutismus“.
Wenn Gespräche nicht gelingen
Manche Kinder sprechen in ganzen Sätzen und ecken trotzdem im Gespräch an. Dann geht es um die Pragmatik, also das Sprachhandeln1: wie dein Kind Sprache im Gespräch einsetzt, etwa beim Abwechseln, beim Bleiben beim Thema oder beim Einschätzen, was das Gegenüber schon weiß. Wie sich Schwierigkeiten in diesem Bereich zeigen, ist Thema des Beitrags „Soziale (pragmatische) Kommunikationsstörung bei Kindern“.
Down-Syndrom
Kinder mit Down-Syndrom verstehen meist mehr, als sie sagen können: Das Sprachverständnis ist typischerweise stärker als das Sprechen, auch wenn sich die Kinder darin stark unterscheiden.7 Hinzu kommt das Hören. Etwa zwei Drittel der Kinder mit Down-Syndrom hören schlechter, weil der Schall nicht richtig ins Innenohr gelangt, weil das Innenohr ihn nicht richtig verarbeitet oder aus beiden Gründen.7
Viele Kinder mit Down-Syndrom nutzen Gebärden, um sich mitzuteilen.7 Auch die Verständlichkeit ist ein Thema: Fast alle Menschen mit Down-Syndrom können zumindest zeitweise schwer zu verstehen sein.7 Wie du dein Kind beim Sprechenlernen im Alltag unterstützt, zeigt der Beitrag „Down-Syndrom und Sprachentwicklung“.
Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte
In Europa kommt etwa eines von 500 Kindern mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte zur Welt.8 Die Sprachentwicklung ist dabei häufig beeinträchtigt.8 Einzelne Laute werden zum Beispiel oft zu weit hinten gebildet.8 Schließt der weiche Gaumen beim Sprechen nicht richtig ab, kann Luft durch die Nase entweichen, und es entsteht ein offenes Näseln.8
Auch das Hören spielt mit. Ein Paukenerguss, also Flüssigkeit im Mittelohr, kann zu einer anfangs unbemerkten Schwerhörigkeit führen und unbehandelt die Sprachentwicklung verzögern.8
Warten musst du auch hier nicht. Mit Beginn der aktiven Sprache, in der Regel ab dem ersten Lebensjahr, können Eltern logopädisch angeleitet werden.8 Eine aktive Sprachtherapie mit deinem Kind kann im Alter von zwei bis vier Jahren folgen.8
Die Leitlinie empfiehlt die Behandlung in einem auf Spalten spezialisierten Zentrum mit einem Team aus mehreren Fachrichtungen.8 Mehr dazu findest du im Beitrag „Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte und Sprache“.
Frühgeburt
Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, schneiden in Sprachtests im Durchschnitt schwächer ab als Kinder, die zum Termin kommen, auch ohne schwere Beeinträchtigungen und unabhängig vom sozialen Hintergrund.9 Bei anspruchsvolleren Sprachaufgaben wurde der Abstand zwischen drei und zwölf Jahren sogar größer.9
Der genaue Blick auf die Sprache lohnt sich bei Frühchen deshalb nicht nur in den ersten Lebensjahren, sondern bis in die Schulzeit. Um das korrigierte Alter, also das Alter ab dem errechneten Geburtstermin, und um die Frage, wann du trotzdem nicht abwarten solltest, geht es im Beitrag „Frühgeborene und Sprachentwicklung“.
Entwicklungsverzögerung
Manchmal hinkt nicht nur die Sprache hinterher, sondern auch andere Bereiche wie Bewegung oder Spiel. Dann ist die Sprache Teil eines größeren Bildes, und es braucht den Blick mehrerer Fachleute. Dabei gilt oft: Je früher Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten unterstützt werden, desto besser können sie ihre Fähigkeiten entfalten.5 Was eine Entwicklungsverzögerung für die Sprache bedeutet, steht im Beitrag „Entwicklungsverzögerung: Wenn nicht nur die Sprache hinterherhinkt“.
Was deinem Kind jetzt hilft
Was deinem Kind hilft, hängt von seiner Diagnose ab. Zwei Dinge gelten aber für alle: Die Sprache bekommt früh einen festen Platz, und dein Kind bekommt jeden Weg, sich mitzuteilen.
Die Sprache von Anfang an mitdenken
Die Diagnose stellen Ärztinnen, Ärzte und andere dafür qualifizierte Fachleute. Wie es um die Sprache deines Kindes steht, kann dir dagegen eine Fachperson für Sprache sagen, also eine Sprachtherapeutin, ein Sprachtherapeut, eine Logopädin oder ein Logopäde. Beides gehört zusammen, und keins ersetzt das andere.
Das SPZ hat einen medizinisch-therapeutischen Schwerpunkt, und sein Team bezieht Eltern aktiv in die Behandlung ein.5 Daneben gibt es die Frühförderstellen. Sie unterstützen Familien, deren Kind eine Behinderung hat oder davon bedroht ist, von der Geburt bis zum Vorschulalter.5
In Frühförderstellen arbeiten unter anderem Fachkräfte aus Pädagogik, Psychologie und Logopädie.5 Die Förderung ist kostenlos, und du kannst dich direkt an eine Frühförderstelle in deiner Nähe wenden.5
Gerade wenn viele Termine anstehen, rutscht die Sprache leicht nach hinten. Genau das solltest du nicht zulassen. Lass die Sprache früh von einer Fachperson einschätzen, auch wenn andere Untersuchungen noch laufen.
Du bist Teil der Therapie
In der Sprachtherapie bist du keine Zuschauerin und kein Zuschauer. Eltern sollen nach Möglichkeit in die Therapie einbezogen werden, denn sie können den Lernprozess ihres Kindes nachweislich unterstützen.1 Entscheidend für eine wirksame Sprachtherapie ist die Zusammenarbeit zwischen Fachperson und Eltern.1
Auch bei Autismus sieht die Fachleitlinie vor, Eltern anzuleiten, zum Beispiel darin, auf die Interessen und Aktivitäten ihres Kindes einzugehen.4 Ein Elterntraining allein reicht dort aber nicht aus, die Therapie mit dem Kind gehört dazu.4
Im Alltag heißt das: Folge dem, was dein Kind gerade interessiert, gib ihm Zeit zu antworten und greif jede Form der Mitteilung auf, ob Blick, Geste, Gebärde oder Wort. Schreib dir außerdem auf, wie sich dein Kind mitteilt und welche Wörter, Gebärden oder Sätze neu dazukommen. So siehst du Fortschritte, und die Fachperson bekommt ein genaues Bild.
Kommunikation kommt vor den Wörtern
Kommunikation fängt nicht erst mit dem ersten Wort an. Das gilt bei Autismus ebenso wie bei Kindern mit Down-Syndrom oder einer anderen Behinderung. Unter Unterstützter Kommunikation, kurz UK, verstehen Fachleute Hilfen, mit denen sich ein Kind zusätzlich zur Lautsprache oder an ihrer Stelle verständigt, zum Beispiel Gebärden, Bildkarten oder elektronische Sprechhilfen. Bei Autismus kann Unterstützte Kommunikation hilfreich sein.3
Vielleicht hast du die Sorge, dass Gebärden das Sprechen bremsen. Eine Übersichtsarbeit zur Sprache bei Down-Syndrom hält dazu fest: Unterstützte Kommunikation behindert die Lautsprache nicht, sie kann ihre Entwicklung sogar fördern.7
Lotta ist zweieinhalb und hat ein Down-Syndrom. Am Frühstückstisch möchte sie noch ein Stück Banane und zeigt die Gebärde für mehr. Du antwortest und gebärdest mit: Mehr Banane? Klar, hier ist noch ein Stück.
Lotta bekommt, was sie wollte, und hört das Wort genau in dem Moment, in dem es für sie zählt. Würdest du warten, bis sie Banane sagt, hätte sie in diesem Moment keinen Weg, sich mitzuteilen.
Welche Formen der Unterstützten Kommunikation es gibt und wie sie sich in euren Alltag einbauen lassen, beschreibt der Beitrag „Unterstützte Kommunikation bei Kindern“.
Wann solltest du handeln?
Sobald eine Diagnose im Raum steht, die die Sprache betreffen kann, ist der richtige Zeitpunkt für die Sprache jetzt. Das heißt nicht, dass alles auf einmal passieren muss. Es heißt, dass die Sprache nicht hinten ansteht. Handle vor allem in diesen Fällen:
- wenn bei deinem Kind eine Diagnose gestellt wurde und noch keine Fachperson die Sprache angeschaut hat
- wenn ein Verdacht besteht und die Abklärung noch läuft
- wenn dein Kind frustriert ist, weil es seine Wünsche nicht ausdrücken kann
- wenn dein Kind zu Hause spricht, in der Kita oder bei anderen Menschen aber schweigt
- wenn die Sprache trotz Förderung nicht vorankommt
- wenn du dich fragst, ob hinter dem späten Sprechen deines Kindes mehr steckt
Ob dein Kind ein Late Talker ist, also ein später Sprecher, oder ob mehr dahintersteckt, kann nur eine fachliche Abklärung zeigen. Worauf es bei dieser Unterscheidung ankommt, liest du im Beitrag „Late Talker oder Autismus?“. Und warte mit einer auffälligen Sprache nicht bis zur Einschulung oder bis zur nächsten Vorsorgeuntersuchung.
Nimm kurze Videos auf, wenn dein Kind zu Hause erzählt oder sich mit Gebärden mitteilt. Zeig sie der Fachperson, falls dein Kind in der Praxis nicht sprechen möchte.
Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns die Sprache deines Kindes gemeinsam an, mit oder ohne Diagnose. Danach überlegen wir, welcher Schritt als Nächstes passt.

Die Sprache braucht ihren eigenen Platz
Bei Autismus, Down-Syndrom, einer Spalte, nach einer Frühgeburt oder bei einer Entwicklungsverzögerung gehört die Sprache fest in den Behandlungsplan. Beim selektiven Mutismus geht es nicht ums Können, sondern ums Sprechen in bestimmten Situationen.
Für alle gilt: früh hinschauen, jeden Weg der Verständigung zulassen und die Sprache von einer Fachperson begleiten lassen. Die Diagnose sagt dir, was dein Kind hat. Was es sprachlich als Nächstes braucht, zeigt erst der genaue Blick auf seine Sprache.
Häufige Fragen zu Sprache & Diagnosen
Kurz beantwortet — ausführlich in den Beiträgen.
Welche Erkrankungen hängen mit Sprachstörungen bei Kindern zusammen?
Eine Sprachstörung kann zum Beispiel mit einer Hörstörung oder mit einem Syndrom wie dem Down-Syndrom zusammenhängen. Auch bei Autismus, einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, nach einer Frühgeburt oder bei einer Entwicklungsverzögerung kann die Sprache betroffen sein. Die meisten Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung haben allerdings keine weitere Diagnose.
Was hilft meinem Kind bei einer Sprachstörung?
Am wichtigsten ist eine frühe Einschätzung durch eine Fachperson für Sprache, also eine Sprachtherapeutin oder Logopädin, und eine Sprachtherapie, die zu deinem Kind passt. Hat dein Kind eine weitere Diagnose, gehört die Sprache in einen gemeinsamen Behandlungsplan mehrerer Fachleute. Im Alltag hilft es, wenn du Gebärden, Bilder und jeden anderen Weg der Verständigung zulässt.
Ab welchem Alter ist Logopädie bei einer Diagnose sinnvoll?
Bei vielen Diagnosen schon im Kleinkindalter: Bei einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte können Eltern ab Beginn der aktiven Sprache, meist ab dem ersten Lebensjahr, logopädisch angeleitet werden. Bei Autismus soll eine Therapie, die auch die Sprache fördert, spätestens mit zwei Jahren oder direkt nach der Diagnose beginnen. Warte nicht, bis die Sprache von allein kommt.
Haben Eltern Schuld, wenn ihr Kind mit Autismus spät spricht?
Nein, Autismus ist angeboren und wird nicht durch die Erziehung der Eltern ausgelöst. Schuldgefühle sind verständlich, sie helfen deinem Kind aber nicht weiter. Was hilft, ist frühes Handeln: Lass die Sprache deines Kindes von einer Fachperson einschätzen und gib ihm im Alltag viele Gelegenheiten, sich mitzuteilen, mit Wörtern, Gesten oder Gebärden.
Quellen & weiterführende Informationen
- 1Interdisziplinäre S3-Leitlinie „Therapie von Sprachentwicklungsstörungen“, AWMF-Register 049-015, DGPP, 2022register.awmf.org
- 2ICD-Code F94.0: Elektiver Mutismus, gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheitgesund.bund.de
- 3Autismus, gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 2024gesundheitsinformation.de
- 4S3-Leitlinie „Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 2: Therapie“, Kurzfassung, AWMF-Register 028-047, DGKJP und DGPPN, 2021register.awmf.org
- 5SPZ und Frühförderstellen, gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, 2026gesund.bund.de
- 6Children who are anxious in silence: a review on selective mutism, the new anxiety disorder in DSM-5, Muris und Ollendick, Clinical Child and Family Psychology Review, 2015cris.maastrichtuniversity.nl
- 7Language Characteristics of Individuals with Down Syndrome, Martin et al., Topics in Language Disorders, 2009pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- 8Patientenleitlinie „Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen“, DGMKG und DGZMK, 2024register.awmf.org
- 9Language functions in preterm-born children: a systematic review and meta-analysis, van Noort-van der Spek et al., Pediatrics, 2012pure.eur.nl
Diese Seite teilt allgemeines Wissen, ersetzt jedoch keine fachliche logopädische Diagnostik. Solltest du Bedenken hinsichtlich der Sprachentwicklung deines Kindes haben, sprich am besten vertrauensvoll mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt.
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